Lean Logistics: Wie Sie Ihren Ertrag mit Logistik erhöhen

Sep 6, 2017 | Blog, Logistikmanagement |

Seit vielen Jahren sind Lean Management, Lean Production und neuerdings auch Lean Office bekannt und erfreuen sich derzeit wieder einer großen Beliebtheit (oder auch unbeliebtheit, je nach dem wen man fragt).

Lean Logistics hingegen, ist zwar ebenfalls kein neuer Begriff, doch sieht man sich die Anzahl der Veröffentlichungen zu diesem Thema an, fällt die geringe Anzahl kaum ins Gewicht.

 

Das Ziel ist Verbesserung

 

Es soll in diesem Beitrag nicht so sehr um das für und wieder von Lean vs. agil oder ähnlichen Diskussionen gehen, sondern um das worum es immer gehen sollte. Sich verbessern, in diesem Fall die Logistik verbessern. In unseren Augen geht eine hohe Leistungsfähigkeit der Logistik mit der Wettbewerbsfähigkeit des Gesamtunternehmens einher.

Um etwas verbessern zu können, muss es bekannt und messbar sein. Doch daran scheitert es oft in der Logistik, da viele Kosten, Prozesse und KPI nicht erfasst werden oder informell ablaufen. Also heißt es Transparenz herstellen. In unserem Verbundforschungsprojekt LeanBlade taten wir genau dies in der Rotorblattfertigung.

 

Eine effiziente Logistik führt zu höheren Gewinnen

 

Wir fanden heraus, dass interne Logistikkosten, also nicht jene die beim Transport der fertigen Rotorblätter anfallen, nicht explizit erfasst werden, sondern in den Fertigungskosten nach dem Motto “wird halt so mit gemacht” enthalten sind. Deshalb war es notwendig alle Prozesse nach Kerngeschäft und Aufgaben der Raum- und Zeitüberbrückung zu trennen. Dem Praxisfall lag ein Benchmark einer State-of-the-art Rotorblattproduktion gegenüber und siehe da, die Logistik hat einen Kostenanteil von rund 16% gehabt. Ist es dem Unternehmen möglich den Anteil auf den Benchmarkwert von rund 12 % zu senken, ergibt dies bei angenommenen 40.000 € Herstellkosten im Jahr ein Einsparpotenzial von 336.000 € (basierend auf einem Output von 210 Rotorblättern im Jahr). Diese Einsparungen sind direkter Gewinn!

%

Kostendifferenz der Logistiksysteme

  • Anteil Logistikzeit im alten System 18%
  • Anteil Logistikzeit im neuen System 9%

Ersparnis durch effiziente Logistik (Euro/ Jahr)

Um der Verschwendung im Logistiksystem auf den Grund zu gehen, bietet der Lean Methoden Baukasten einiges. Speziell

  • Gemba (am Ort des Geschehens),
  • Kaizen (Streben nach Perfektion),
  • 5S (Ordnung und Sauberkeit),
  • Wertstromanalysen und
  • Visualisierung von KPI oder Instruktionen

wurden für die Logistikbetrachtung in der Rotorblattfertigung adaptiert.

 

Lean Management in der Rotorblattfertigung

 

Auf Gemba, Visualisierung und die Wertstromanalyse soll im Weiteren noch eingegangen werden. Wie bereits angesprochen, herrscht bisher kein großes Bewusstsein für die Relevanz der internen Logistikkosten. Daher ist es wichtig am Ort des Geschehens, also dort wo die Verschwendung geschieht, einzugreifen und genau hinzusehen. Dies gilt sowohl bei den Führungskräften als auch bei den Produktions- und Lagermitarbeitern. So lässt sich mit Hilfe von Smartphones, Apps und Analyse-Software jeder Prozess vom Ausführendem messen und in Echtzeit auswerten. Da wir mit modularer Software gearbeitet haben, lässt sich dieses Beispiel auch auf jegliche weiteren Anwendungsfelder übertragen. Durch die Visualisierung der KPI an den jeweiligen Arbeitsstationen/ -bereichen, lässt sich das Bewusstsein steigern. Die Entsorgungslogistik eignet sich hier sehr schön. Um das Abfallaufkommen zu reduzieren, wäre ein Belohnungssystem denkbar. Für x Kilogramm eingesparten Müll, bezuschusst das Unternehmen die Teamkasse.

Weitere hilfreiche Methoden für die Lean Logistics Organisation sind Flächenanalysen und Spaghetti Diagramme. Für Ersteres haben wir eine eigene Methode entwickelt und schnell und einfach den Ist-Zustand aufnehmen zu können. Zweiteres lässt sich nachzeichnen oder auch mittels Sensoren Tracken und automatisch in einen Bericht überführen.

Ein anderes Hilfsmittel zur (groben) Prozessaufnahme ist die Wertstromanalyse. In ihrer ursprünglichen Ausprägung versucht sie den Fertigungsprozess auf Verschwendung zu untersuchen. Zum Zwecke der Analyse von vorgelagerten Logistikschritten, wurde vom Lehrstuhl fml der TU München der Logistische Wertstrom entwickelt, um mit anderen Parametern und Schwerpunkten einen Soll-Zustand für eine effizienteres Handling zu entwerfen. Die folgenden Verschwendungsarten stehen hierbei im Fokus:

 

  • unnötige Transporte,
  • unnötige Bestände,
  • unnötige Bewegungen und
  • unnötiges Warten.

Unnötiges Warten kennen die meisten bestimmt auch aus dem Alltag, zum Beispiel, wenn man Nachts alleine an einer roten Ampel steht…

Manchmal helfen auch solche Analogien. Im Fall der Ampel wäre vielleicht ein Kreisel hilfreich. So hätten sich am Ende vermutlich einige Schnittstellen reduziert und die Lieferkette ist ganzheitlich auf den Kunden abgestimmt. Wie Lean Projekte erfolgreich angegangen werden können, beschreibt z.B. Prof. Dr. Wiegand in drei kurzen Beiträgen kurz und prägnant.

 

Logistik als zusätzliche Einnahmequelle

 

Logistik, modern verstanden und angewendet, ist beileibe kein Kostenärgernis, sondern ein Steuerungsinstrument für den weiteren Unternehmenserfolg. Sind die Prozesse und damit die Kosten transparent und messbar, lassen sich Verschwendungen im Logistiksystem reduzieren. Weniger Verschwendung heißt mehr logistischer Wert.

Der logistische Wert kann zum einen über die Leistungsfähigkeit in der Differenzierung zum Wettbewerb liegen und zum anderen in der Preisgestaltung. Eine Mischung aus beidem ist die Entwicklung hin zur Same Day Delivery im Versandhandel. Einerseits muss die Logistik überhaupt im Stande sein den Prozess in der Geschwindigkeit zu realisieren, andererseits lässt sich dann aber auch ein höherer Preis durchsetzen. Das wäre eine Einnahmequelle durch Logistik für einen Industriebetrieb. Eine weitere sei mit COWAREHOUSING genannt.