Ohne Informationsfluss kein Materialfluss

Dez 5, 2017 | Blog, Logistikmanagement | 0 Kommentare

LSA und IWES entwickeln App für die Produktionslogistik von Rotorflügeln.

Digitalisierung. Hinter diesem Begriff stecken Chancen, die genutzt werden wollen. In dem von der BIS geförderten Forschungsprojekt „LeanBlade“ haben das Fraunhofer IWES und die LSA Logistik Service Agentur erforscht, wie sich die Rotorblattproduktion „schlanker“ gestalten lässt. Herausgekommen ist unter anderem eine App, mit der sich Logistikkosten erfassen und einsparen lassen.

 

Text von Marc-Alexander Wagner (Gedankenwerft), erstmals erschienen in „BIS aktuell“ #20 der BIS Wirtschaftsförderung (Download).

„Bei Logistik wird oft nur an den Transport gedacht“, sagt Roger Heidmann, Geschäftsführer der LSA Logistik Service Agentur, und nutzt die einfachste Definition: „Logistik umfasst alle Aufgaben der Raum- und Zeitüberbrückung, und die beginnen in Vertrieb, Einkauf und Konstruktion.“ Bei genauerem Hinsehen werde dann deutlich auf wie viele Schultern die logistischen Aufgaben im Unternehmen verteilt sind und wie viele Ressourcen dadurch in Anspruch genommen werden.

Mit diesem genauen Hinschauen begann auch das gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekt „LeanBlade“ der beiden Bremerhavener Partner, dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und der LSA Logistik Service Agentur, das im Rahmen des Programms zur Förderung Anwendungsnaher Umwelttechniken (PFAU) von der Bremerhavener Wirtschaftsförderung BIS gefördert wurde. Ihre Ausgangsfrage: Wie kann die Logistik als zusätzliches Steuerungsinstrument die Rotorblattproduktion schneller und effizienter gestalten? Über eine Flächenbilanz in einer Rotorblatt-Fertigungshalle stellten die Projektpartner fest, dass mehr als 60 Prozent der Fläche für die erwähnte Raum- und Zeitüberbrückung verwendet werden, und nur rund 40 Prozent für das eigentliche Kerngeschäft. Eines der ersten Ziele der beiden Partner war, den Ist-Zustand des Logistikmanagements im Hinblick auf das Rohmaterial wie Kunstharze oder Glasfasern und die Fertigungsschritte zu identifizieren.

 

Die App versetzt ein Unternehmen in die Lage, an den richtigen Stellschrauben zu drehen und dadurch Betriebskosten zu senken.

Roger Heidmann

CEO , LSA Logistik Service Agentur GmbH

„Viele Betriebe entscheiden ohne oder nur mit einem Bruchteil der Daten, also rein auf Basis von Erfahrungswerten und meist mit dem Fokus auf die Produktion respektive die jeweilige Kernkompetenz. Die Logistik wird ‚halt so mitgemacht’“, weiß Heidmann aus seiner mehr als 35-jährigen Erfahrung in der Logistik. „Das ist darum der erste Schritt der Digitalisierung: Informationen erfassen und verfügbar machen, Transparenz schaffen.“ Im Laufe des 18-monatigen „LeanBlade“-Projekts entstand daraus die LSA Logistikkosten-App. „Alle logistikrelevanten Tätigkeiten und Zeiten können damit schnell und einfach über das Smartphone erfasst werden“, berichtet Heidmann. Dafür werden lediglich die verschiedenen Bereiche des Unternehmens in der Applikation ausgewählt und die Aktivitätsdauer der jeweiligen Tätigkeit notiert.

Alle erfassten Daten werden anschließend zusammengetragen und automatisch verrechnet. „Das versetzt ein Unternehmen in die Lage, an den richtigen Stellschrauben zu drehen und dadurch die Betriebskosten zu senken“, erklärt Heidmann. Sprich: Liefer- und Lagerzeiten in der Windanlagenproduktion reduzieren sowie Wege zwischen den einzelnen Produktionsschritten verkürzen. „Der Anteil der Logistikkosten liegt in einem optimierten Fertigungsprozess wie im Demo-Center des Fraunhofer IWES bei circa 12 Prozent. In der Produktionsrealität bei einem Hersteller mit gewachsenen Strukturen liegt der Anteil bei rund 19 Prozent“, führt der LSA-Geschäftsführer aus. Diese Differenz verdeutliche das Einsparpotenzial, das durch das „LeanBlade“-Produktionssystem erreicht werden könne.

„Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt ermöglichen Rotorblattherstellern, ihre Produktion aus einer neuen Perspektive zu betrachten“, sagt Heidmann, der die App jetzt für interessierte Kunden verfügbar machen konnte. „Die Windenenergiebranche ist dabei eine wichtige Zielgruppe, aber nicht die einzige“, sagt der Logistiker. Das System sei flexibel konfigurierbar und somit – zusammen mit weiteren Dienstleistungen wie dem Logistics Monitoring und dem digitalen Routing Center – auch für weitere Kunden mit Losgröße 1+ und darüber hinaus interessant. Denn von einem ist Roger Heidmann überzeugt: „Erst der Informationsfluss ohne Medienbrüche löst den Materialfluss aus.“

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