Schwerlasttransporte: 10 hilfreiche Tipps

Aug 21, 2017 | Blog, Transportmanagement

Die böse Überraschung

Immer wieder kommt es in Projekten zu Situationen, in denen unter hohen Druck die Maschine doch noch rechtzeitig fertigstellt werden konnte und der Spediteur den Transport organisieren soll.

Und dann die große Ernüchterung. Schwertransport. Genehmigungspflichtig. Frühestens in 2 Wochen kann es los gehen. Wieso wurde das denn nicht im Vorfeld geklärt?

Weil niemand dran gedacht hat, bzw. die Logistikprozesse nicht vollständig in den Geschäftsprozess integriert waren. In diesem kurzen Artikel sollen 10 wichtigte Punkte und Fakten aufgezeigt werden, damit beim nächsten Mal die Maschine auch wirklich auf Reisen gehen kann, wenn sie es soll.

Die relevanten Gesetze

Generell gilt natürlich die Straßenverkehrsordnung (StVO), für den Schwerlastverkehr sind aber insbesondere der Paragraf 29 Absatz 3, zusammen mit der Verwaltungsverordnung, und Paragraf 70 aus der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) entscheidend.

Ersterer regelt alles bezüglich des Verkehrs und der Ladung an sich, zweiterer betrifft die Erlaubnis der Transportfahrzeuge.

Der §46 StVO ist noch wichtig. Dieser erlaubt es nämlich formal den Straßenverkehrsbehörden Ausnahmegenehmigungen zu erteilen.

Hier noch mal kompakt:

  • §29 (3) StVO Übermäßige Straßennutzung und die dazugehörige Verwaltungsverordnung (VwV) zu §29 (3) StVO
  • §70 StVZO Ausnahmen
  • §46 StVO Ausnahmegenehmigungen und Erlaubnis
  • §22 StVO Ladung

Gültigkeit/ Mitzuführende Dokumente

  • Abschluss einer Kraftfahr-Haftpflichtversicherung, die im Original nachzuweisen ist.
  • Die Ausnahmegenehmigung (§ 70 StVZO) ist nur wirksam, wenn eine gültige Erlaubnis nach § 29 Abs. 3 StVO mitgeführt wird.
  • Die Erlaubnis (§ 29 Abs. 3 StVO) gilt nur, wenn eine gültige Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO vorliegt.
  • Es handelt sich um die Beförderung bestimmter Ladungen und unteilbarer Ladung.

Zusätzlich sind die zeitlichen und örtlichen Beschränkungen als Bedingung zu werten.

Ladungsanforderungen nach §22 StVO

(1) Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können.

(2) Fahrzeug und Ladung dürfen zusammen nicht breiter als 2,55 m und nicht höher als 4,00 m sein. Kühlfahrzeuge dürfen nicht breiter als 2,60 m sein.

(3) Die Ladung darf bis zu einer Höhe von 2,50 m nicht nach vorn über das Fahrzeug, bei Zügen über das ziehende Fahrzeug hinausragen. Im Übrigen darf der Ladungsüberstand nach vorn bis zu 50 cm über das Fahrzeug, bei Zügen bis zu 50 cm über das ziehende Fahrzeug betragen.

(4) Nach hinten darf die Ladung bis zu 1,50 m hinausragen, jedoch bei Beförderung über eine Wegstrecke bis zu einer Entfernung von 100 km bis zu 3,00 m.

Fahrzeug oder Zug samt Ladung darf nicht länger als 20,75 m sein. Ragt das äußerste Ende der Ladung mehr als 1,00 m über die Rückstrahler des Fahrzeugs nach hinten hinaus, so ist es kenntlich zu machen.

Die 10 Tipps für Schwerlasttransporte

 

1) An den Maßen schrauben

Schauen Sie sich die Maße und Gewichte genau an und gleichen Sie diese mit den erlaubten Maßen ab. Wenn es nur wenige Zentimeter sind, oder sich einzelne Teile leicht demontieren lassen, kann es sich schon lohnen die Maße zu reduzieren. Zum einen entfällt eine evtl. Genehmigung und zum anderen wird vielleicht nur ein Standard Tautliner nötig sein, wodurch die Transportpreise sinken.

 

2) Fuhrunternehmer mit Dauergenehmigungen suchen

Wenn beispielsweise die Ladung nur in der Breite über die erlaubten 2,55m hinausgeht, gibt es viele Schwergutspeditionen mit Dauergenehmigungen für Ihre Fahrzeuge bis 3m, 3,20m und 3,5m. Das ist oft aber auch wieder Fahrtgebietsabhängig. Diese verbreiterbaren Auflieger sind jedoch nicht so weit verbreitet und daher auch etwas teurer.

 

3) Lange Bearbeitungszeiten

Beachten Sie die Bearbeitungszeit der Anträge. Diese beträgt in der Regel zwei Wochen, kann aber je nach Umfang auch länger dauern. Gründe sind u.a. Überprüfung der Statik von Brücken oder die Anhörung der Polizei, ggf. der Bahn und jeder zuständige Straßenverkehrsbehörde. Letzeres gilt jedoch nur wenn die folgenden Maße (Auflistung nicht vollständig) überschritten werden: Höhe 4 m, Breite 3 m, Länge von Züge 23 m oder Achslast Einzelachsen 11,5 t.

 

4) Prüfen Sie alternative Transportmöglichkeiten

Neben der Unteilbarkeit der Ladung (oder wenn die Kosten hierfür unzumutbar wären), wird keine Genehmigung für den Straßentransport erteilt, wenn auch, zumindest teilweise, Wasser- oder Zugverbindungen bestehen. Wichtig ist also auch den Kundenstandort zu betrachten.

 

5) Was alles vorgeschrieben werden kann

Seien Sie sich bewusst darüber, was alles in dem Erteilungsbescheid festgelegt werden kann. Dazu gehören u.a. Fahrzeitbeschränkungen zur Rush-Hour oder Urlaubszeiten, Polizeibegleitungen und Wegstrecken. Von der Fahrzeitbeschränkung kann abgesehen werden, wenn der Antragsteller nachweist, dass die Beförderung eilbedürftig ist und bei einer Beschränkung der Fahrzeit die termingerechte Durchführung des Transportauftrags nicht gewährleistet ist. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Eilbedürftigkeit durch Verschulden des Antragstellers entstanden ist.

 

6) Grenzen für Begleitpersonal oder Polizeibegleitung

Begleitpersonal auf Autobahnen und Straßen, die wie eine Autobahn ausgebaut sind

  • bei zwei oder mehr Fahrstreifen plus Seitenstreifen je Richtung die Breite über alles 4,50 m
  • bei zwei Fahrstreifen ohne Seitenstreifen je Richtung die Breite über alles 4,00 m (bei anderen Querschnitten ist die Regel sinngemäß anzuwenden)
  • oder auf anderen Straßen in der Regel die Breite über alles von 3,00 m die Länge über alles von 27,00 m überschritten wird sowie auf allen Straßen der Sicherheitsabstand bei Überführungsbauwerken von 10 cm nicht eingehalten werden kann.

Eine polizeiliche Begleitung ist grundsätzlich nur erforderlich, wenn bei Autobahnen und Straßen, die wie eine Autobahn ausgebaut sind

  • bei zwei oder mehr Fahrstreifen plus Seitenstreifen je Richtung die Breite über alles von 5,50 m,
  • bei zwei Fahrstreifen ohne Seitenstreifen je Richtung die Breite von 4,50 m oder auf anderen Straßen
  • die Breite über alles von 3,50 m überschritten wird.

7) Ähnliches Fahrzeug für den Antrag verwenden

Wenn das zukünftige Fahrzeug noch nicht bekannt ist, aber die Art und Beschaffenheit, kann dies schon im Vorfeld vom TÜV abgenommen werden. Damit kann der Antrag trotzdem gestellt werden. Das tatsächliche Fahrzeug wird dann später überprüft. So lässt sich wertvolle Zeit sparen.

 

8) International gelten andere Vorschriften

So trivial es klingt, aber bei grenzüberschreitenden Verkehr gelten die jeweiligen Landesvorschriften. Was hier erlaubt ist, zählt noch lange nicht in UK. Insbesondere Feiertage sind hier zu beachten.

 

9) Konstruktionszeichnungen sind keine Transportzeichnungen

Geben Sie dem Spediteur oder Frachtführer exakte Transportzeichnungen der Maschine. Schwerpunkte können somit von vornherein besser auf die Achsen ausgelegt werden. Außerdem können die nötige Ladungssicherheit und die Anschlagpunkte vorab definiert werden.

 

10) Projektpläne dem Transportumfang anpassen

In der Projektplanung früh mit der Planung beginnen, denn eine Regeltransportlaufzeit von bspw. 2 Tage kann auch schnell 8 Tage sein, wenn nur Nachts oder sehr umständlich gefahren werden muss. Stichwort Brücken, Tunnel und andere bauliche Hindernisse.

Zusammenfassung

Die Planung von Schwerlasttransporten muss kein Schreckgespenst sein. Es ist nur wichtig, sich dem Transportumfang schon zu Projektbeginn bewusst zu sein, die Dokumentenlage sauber zu halten und die Prozessschritte in den Plan mit einarbeiten.

Außerdem ist bei der Budgetierung entsprechend ein höherer Betrag als für einen Standardtransport einzuplanen.

Alle Angaben ohne Gewähr.