Kaffee Supply Chain: Ein Besuch bei Nestlé Schwerin | LSA
0-Artikel

Kaffee Supply Chain: Ein Besuch bei Nestlé Schwerin

Moderne Produktion in Norddeutschland

Es war mal wieder soweit. Vom 28.06-29.06.2017 fand das 17. Rostocker Logistik Forum statt. Am ersten Tag hatten wir die Gelegenheit das Nescafé® Dolce Gusto® in Schwerin zu besuchen. Das Werk wurde erst 2013 erbaut und ist das modernste europäische Nestlé Werk seiner Art. Hiervon möchten wir kurz berichten.

Man mag von Kapselkaffee halten was man will, aber logistisch gesehen ist das Thema sehr spannend. Doch zu der großen Reise einer Kaffeebohne vom Baum bis hin zum Konsumenten gleich mehr.

Zunächst zur Produktionsstätte in Schwerin. Hier werden die Rohbohnen angeliefert, entsprechend der jeweiligen Rezeptur geröstet, in Silos gelagert und schließlich kurz vor der Verwendung gemahlen. Die Lagerzeit ist bei einer Ausstoßmenge von über 2 Milliarden Kapseln im Jahr 2016 aber nicht sehr hoch. Der steigenden Nachfrage wird mit einem 3 Schichtsystem begegnet, in Peaks sogar mit vier Schichten.

Neben den Kaffeebohnen werden noch Milchpulver, Kakao, Karamell etc. benötigt sowie die Kapsel selbst. Die Dolce Gusto® Kapsel besteht wiederum aus mehreren Einzelteilen von jeweils unterschiedlichen Lieferanten aus verschiedenen Ländern.

Der Materialfluss ist wie die Beschaffung modern organisiert. Die Materialien fließen “von links nach rechts” und nach dem Pull-Prinzip. Fahrerlose Transportsysteme (AGV – Automated Guided Vehicle) sorgen für die stetige Materialbereitstellung und Abholung von Leerbehältern. Im Warenausgang geht die Reise der Kapseln auf Paletten weiter Richtung Kunden. Entweder über ein Nestlé Distribution Center oder über kleinere Verteilerzentren. Die folgende Abbildung zeigt die Supply Chain der Kaffeebohne. Letztlich ist sie für Deutschland allgemein gültig, in diesem Fall aber auf das Schweriner Werk abgewandelt.
Kaffee Supply Chain

Die Kaffeebohnen Supply Chain vom Anbau bis zum Endkunden

Der Kaffee wird aus fast allen Anbaugebieten bezogen, generell sind es Südamerika (hauptsächlich Brasilien und Kolumbien), Afrika (u.a. Äthiopien, Elfenbeinküste, Madagaskar) und Asien (Indien, Philippinen, Indonesien). Ernte der Kaffeebohnen, aufbereiten (trocken/ nass) und in Jute-Säcke verpacken. Verladen in Container. Dies können sowohl Standard 20′ und 40′ sein als auch ventilierte. Dann folgt der Transport per LKW zum Hafen. Nach einer kurzen Lagerung wird der Container am Terminal auf das Schiff verladen. Gestaut muss unter Deck werden. Die Seereise bis Hamburg dauert meist zwischen 3-4 Wochen. Für einen 20′ Standard Container inkl. Hafen- und Terminalgebühren fallen derzeit ca. 1500€ an. Hinzu kommt der Vor- und Nachlauf mit dem LKW. Im Hafen Hamburg kommt nahezu der gesamte Kaffee für Deutschland an und wird von dort weiterverteilt. In diesem Fall geht es per LKW nach Schwerin. Dort wird der LKW entladen und die Bohnen werden eingelagert bzw. geröstet. Hinzu kommen die bereits angesprochenen weiteren Materialien aus internationalen Beschaffungsmärkten. Nach den weiteren Produktionsschritten folgt schließlich der Transport in das Distributions Center in Brandenburg. Dort findet ggf. eine Konfektionierung oder der Displaybau statt. Erst jetzt kommt der Transport zum Distributionslager des Kunden (z.B. Supermarktketten). Je nach Kundenwunsch wird geliefert oder die Ware wird abgeholt. Von diesem Lager aus finden die Kapseln nun mittels eines weiteren LKW Transports den Weg in den Supermarkt oder ein weiteres Regionallager… …nun sind Sie an der Reihe und packen den Kaffee in den Einkaufskorb 🙂

Transporte bis zum Supermarkt

Umschlagshäufigkeit

ca. zurückgelegte Kilometer

Verpackung

Üblicherweise 60 kg luftdurchlässige Jute-Säcke mit Grünbohnen. Teilweise auch bis zu 70 kg. Der Kaffeeimport nach Europa wird zu ca. 95% in Seecontainer abgewickelt. Das können sowohl TEU als auch FEU sein (ventilliert und Standard). Der Container wird mit Holz und Papier mit spezifischen Feuchtigkeitswerten ausgelegt.  

Transport/ Lageranforderungen:

Im Grundsatz sollten die Kaffeebohnen kühl, trocken und gut belüftet sein. Die Container sollten unter Deck und nicht in der Nähe von Wärmequellen gestaut werden. Hier wirken die meteorologischen Außenbedingungen nicht mehr direkt auf die Container ein. Frostgefahr einerseits und stark schwankende Temperatur andererseits können zum Verderb des Kaffees führen, daher möglichst unter Deck stauen. Schließlich sind die Wegrelationen oft Süd-Nord. Unter Deck sind die Bohnen nun von Außenbedingungen abtrennt, so dass die Laderaumluft mit ihren Temperatur- und Feuchtewerten den entscheidenden äußeren Einfluss darstellt.

Tipp für Zuhause: Die richtige Aufbewahrung von Kaffee

Kaffee ist ein Naturprodukt, welches in rohem Zustand relativ lange haltbar ist, ab dem Tag des Röstens jedoch innerhalb weniger Monate aufgebraucht werden sollte. Die meisten Hersteller geben das Mindesthaltbarkeitsdatum von 18 Monaten an. Einen vor 18 Monaten gerösteten, aber ungeöffneten Kaffee können Sie zwar trinken, ohne sich um Ihre Gesundheit Sorgen machen zu müssen, wobei sein Aroma und Geschmack viel zu wünschen übrig lassen werden. Den vollen Genuss von frisch gerösteten Kaffeebohnen genießen Sie ca. 3-4 Tage bis 4 Wochen nach der Röstung. Die Kaffeebohnen müssen sich ca. 2-3 Tage lang von dem Röstungsverfahren erholen. Andererseits sollten Sie Kaffee nicht zu lange lagern, weil das zu Geschmacks- und Aromaverlust führt. Außerdem sollten man darauf achten den Kaffee lichtgeschützt, am besten in der Originalverpackung, fern von anderen starken Gerüchen fernzuhalten. Also weg vom Gewürzschrank und nicht in den Kühlschrank!